FRTB - Update aus Basel

 
Photo by  Carlos Muza  on  Unsplash

Photo by Carlos Muza on Unsplash

 

Nach 10 Jahren Überarbeitungszeit hat das Basel Committee on Banking Supervision am 14.01.2019 den neuen Standard für die Eigenmittelanforderungen aus dem Marktrisiko veröffentlicht.  Dem vorweg gegangen waren diverse Konsultationspapiere und Auswirkungsstudien. Der neue Standard (BCBS 457) basiert auf dem ursprünglichen (bereits finalen) FRTB Regelwerk (BCBS 352) aus dem Januar 2016, enthält aber eine Reihe von Änderungen und Klarstellungen, die aufgrund der Rückmeldung der Bankenindustrie erforderlich waren.

Abgrenzung Bank- und Handelsbuch

Hier wurde sich von der ursprünglichen Idee gemäß Basel 2.5 zur Abgrenzung basierend auf der „Handelsabsicht“ gelöst und konkrete Listen mit Instrumenten veröffentlicht, die zur Abgrenzung zwischen den beiden Büchern genutzt werden sollen. In der finalen Version des Standards erfolgt nun durch die Priorisierung von Zuordnungskriterien die Klarstellung wie mit Instrumenten umgegangen werden soll, die in beiden Listen zu finden sind. Außerdem wird jetzt die Zuordnung von Fonds-Anteilen zum Handelsbuch erlaubt, sofern die Möglichkeit der Durchschau der zugrundliegenden Anteile möglich ist oder tägliche Preisnotierungen verfügbar sind.

Internes Model

Bereits in der ersten Version von FRTB wurde von dem Fokus auf den Value at Risk (VAR) Abstand genommen und auf den Expected Shortfall (ES), nicht modellierbare Risikofaktoren (NMRFs) und Kapitalanforderung für Ausfallrisiken (DRC) abgestellt. In der aktuellen Version wurde nun vor allem eine Reihe von Überarbeitungen an den NMRFs vorgenommen, die aus Sicht der Bankenindustrie zu den wesentlichen Kostentreibern zählen. Diese Überarbeitungen reichen von Erleichterungen im Bezug auf Identifikation und Vorsichtsprinzip bis zur Reduktion des Rechenaufwands. Außerdem wurden die Test-Metriken für den P&L Attribution Test (PLA) erweitert.  Ein einzelner Trading-Desk kann jetzt nicht nur „grün“ oder „rot“ sein, sondern auch „gelb“, was eine Verwendung des internen Modells weiter zulässt, aber mit zusätzlichen Kapital-Aufschlägen bestraft wird.

Standardansatz

Der Standardansatz für FRTB basiert auf drei Komponenten: Der sensitivitätsbasierten Methode (SBM), dem Add-on für Residualrisiken (RRAO) und der Kapitalanforderung für Ausfallrisiken (DRC). Die neue Version des Standardansatzes erweitert nun die Währungspaare, die als liquide angesehen werden und lässt außerdem die Möglichkeit zu, eine von der Reporting-Währung abweichende Währung als „Basis“ Währung genehmigen zu lassen, in der die Fremdwährungsrisiken gesteuert werden.

Die Berechnung des Curvature-Risikos bei Optionen wurde dahingehend angepasst, dass einheitliche Shocks für ähnliche Risikofaktoren angewendet werden. Außerdem wurden potentielle Sprünge entfernt und Doppelanrechnungen berücksichtigt, sowie die Korrelationen im „Niedrig korrelierten Szenario“ überarbeitet.

Um die Erhöhung der Kapitalanforderungen für den neuen Standardansatz abzumildern wurden in der finalen Version zusätzlich die Risikogewichte für Fremdwährungsrisiken um 50% und für Allgemeine Zinsrisiken um 30% reduziert, was sich fast unmittelbar in den zugehörigen Kapitalanforderungen auswirkt.

Vereinfachter Standardansatz

Bereits bei der Veröffentlichung des ersten FRTB Regelwerks wurde von kleineren Instituten ein vereinfachter Ansatz gefordert. Dem wurde Rechnung getragen und ein vereinfachter Ansatz geschaffen, der auf der aktuellen Version des Standardansatzes basiert und je Risikoart hochskaliert wird. Im vereinfachten Standardansatz werden die vier Risikoarten folgendermaßen skaliert: Zinsrisiko = 1.3, Aktienrisiko =3.5, Warenrisiko =1.9 und Fremdwährungsrisiko = 1.2.

Bewertung

Die finale Veröffentlichung zu FRTB bietet einige Klarstellungen und eine Reihe von Vereinfachungen im Vergleich zur ersten Version, die auch zu einer Reduktion der Eigenmittelanforderungen über alle Ansätze hinweg führen.

Insgesamt geht das Basel Committee on Banking Supervision aber weiter von einer Erhöhung der Kapitalanforderung über alle Banken hinweg von 22 % im Vergleich zu Basel 2.5 aus. Für Banken, die ausschließlich den Standardansatz nutzen, wird sogar von einer Erhöhung im Durchschnitt von 30% ausgegangen. Daher bedeutet die Einführung von FRTB für Banken nicht nur erhebliche Belastung durch den Implementierungsaufwand, sondern auch im Hinblick auf den Kapitalbedarf, was aber teilweise durch die Umstrukturierung des Produktportfolios zur Berücksichtigung der neuen Handelsbuchabgrenzung abgemildert werden kann.

Finbridge steht Ihnen mit umfassender Projekterfahrung bei der Umsetzung von FRTB zur Verfügung. Wir unterstützen Sie bei der Analyse zur Neuabgrenzung Bankbuch / Handelsbuch sowie bei der Identifikation notwendiger Anpassungen Ihres Produktportfolios, Ihrer Organisationsstrukturen und Ihrer Prozesse an das neue Regelwerk. Daneben ermöglicht unser Finbridge FRTB SA-Calculator die Durchführung von Auswirkungsstudien zur Quantifizierung des Eigenmittelbedarfs nach neuem Standardansatz. Bei der technischen Umsetzung können Sie neben unserer Erfahrung bei der Herbeiführung von Architekturentscheidungen auch auf unsere Expertise bei der Fach- und DV-Konzeption sowie in Testmanagement und -Durchführung zurückgreifen.


Team

 
Stefan Scheutzow   Manager  stefan.scheutzow at finbridge.de  +49 151 58062824   LinkedIn  |  Xing

Stefan Scheutzow

Manager

stefan.scheutzow at finbridge.de

+49 151 58062824

LinkedIn | Xing

André Brier   Senior Consultant  andre.bier at finbridge.de  +49 151 58062849   LinkedIn  |  Xing

André Brier

Senior Consultant

andre.bier at finbridge.de

+49 151 58062849

LinkedIn | Xing

 

Aktuelles zum Bankaufsichtsrecht

 

Thumbnail Photo by Carlos Muza on Unsplash

Stefan Scheutzow